Macht Kabarett!

„Aber Komik, Humor, das ist mehr als sich schnell mal eine halbe Stunde amüsieren. Eine gute Komik hilft tatsächlich, Dinge anders zu sehen. Sie gibt dir die Möglichkeit, dich zu trösten, sie gibt dir die Möglichkeit, eine Distanz zu kriegen zu bestimmten Dingen, und du kannst manches aus anderen Perspektiven sehen. Du kannst Geschehnisse anders beobachten, du kannst Autoritäten anders sehen. Wenn du mit Ironie umgehen kannst, dann bist du privilegiert, dann schaffst du dir Platz gegen den Ernst. Der Ernstfall wird zwar vielleicht trotzdem eintreten, aber du hast ein Mittel, dich innerlich davor zu schützen – wenn du es gelernt hast. Wenn man dir Humor, Komik und Ironie nahegebracht hat.“

Gerhard Polt und auch sonst: Im Gespräch mit Herlinde Koelbl. Zürich – Berlin: Kein & Aber AG 2012. S. 42

 

 

Plädoyer für kabarettistische Spielformen


Kabarett zu machen, ist für Oberstufenschüler eine absolut lohnenswerte Alternative zur Produktion eines Bühnenstücks.

Viele junge Menschen kennen Kabarettisten von Aufführungen oder aus dem Fernsehen. Ihre Darbietungen sind animierend und vorbildhaft. Anke Egelkes, Atze Schröder, Cindy von Marzahn, Bülent Ceylan, Helge Schneider, Olaf Schubert, Dieter Nuhr, Urban Priol oder Erwin Pelzig (Frank-Markus Barwasser) u.a. sind vielen bekannt. Und einige begeistern sich für Oliver Welkes „heuteshow“ und die darin auftretenden Komiker. Das heißt nicht, dass man in minderer Weise einfach nachmachen soll, sondern eine eigene Form finden muss, die sich aus den Interessen und Fähigkeiten der Teilnehmer entwickelt.

Die Kleinkunstform „Kabarett“ verbindet vielfältige Möglichkeiten und Darstellungsformen: das szenische Kabarett, Monolog, Dialog, Pantomime, Song, Musik, Tanz, Bild- und Videoeinspielungen, Computeranimation, etc.

Das bedeutet, dass unterschiedliche  Talente in die kabarettistische Arbeit eingebracht werden können.

Das kabarettistische Thema kann sich dem widmen, was junge Menschen bewegt, was ihnen auffällt, was sie in einer Weise beschäftigt. Z.B.:

  • Kommunikationsabläufe, Kommunikationsmedien
  • Technisiertes Leben (z.B.: Handymanie)
  • Wir steigern den Konsum
  • 18+ Freizeitactivities u.a.

Gewohnheiten, Einflüsse, gesellschaftliche Abläufe auf die Schippe zu nehmen und mitunter auch über sich selbst lachen zu können, macht frei.

Über die gesellschaftlichen Gegebenheiten, die thematisiert werden, müssen sich die Projektteilnehmer informieren, sie müssen beobachten, hinhören, analysieren, sich damit auseinandersetzen.

Eigene Textarbeit kann geleistet werden, vorhandene Texte können integriert oder abgewandelt werden (Szenen etwa von Loriot, Polt u.a.). Es zu lernen, z.B. konzentrierte Szenenabläufe und pointierte Dialoge zu schreiben, ist ein überaus lohnendes Ziel. Manche mögen ihren Spaß an Wortklaubereien oder Wortspielen entdecken.

Mit Klamauk, Übertreibung, Spott, Witz, schwarzem Humor, Ironie, Satire arbeiten zu können, tut gut. Es fördert den Spielspaß, das Abstraktionsvermögen und man kann sich gewissermaßen abreagieren. Bissig, scharf, absurd-komisch, parodierend, persiflierend, witzig, humorvoll kann man ein Publikum unterhalten und amüsieren, wenn nicht der moralische Zeigefinger hinter jeder Szene drohend erhoben wird.

Gute Unterhaltung ist kein leichtes Geschäft, aber wenn sie gelingt, ein sehr zufriedenstellendes.

Da kabarettistische Darbietungen sich in Nummern gliedern, kann die Probenarbeit ökonomisiert werden, so dass niemand eine Stunde lang rumsitzen muss, bis er die fünf Sätze seiner Nebenrolle proben kann.  Kabarett kann auch mit einer kleineren Gruppe produziert werden.  Macht Kabarett!